Geschichte

Wer war Werner Elert?

Lebensdaten/Lebenslauf

Werner Elert

Werner Elert lebte von 1885 bis 1954. Elerts Vater war Beamter und Kaufmann. 1906 begann er mit dem Theologiestudium. 1910/11 promovierte er in Erlangen, anschließend habilitierte er. Von 1912 bis 1919 war er altlutherischer Pfarrer in Pommern. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Feldprediger an der Ost- und der Westfront. 1919 wurde er Direktor des  altlutherischen Seminars in Breslau. 1923 wurde er nach Erlangen berufen und war dort bis zu seiner Emeritierung 1953 für 30 Jahre Professor. Werner Elerts Fachgebiet war zunächst die „Kirchen-, Dogmengeschichte und Symbolik“ (so die Bezeichnung seines ersten Lehrstuhls). Ab 1932 hatte er den Lehrstuhl für systematische und historische Theologie inne. Ferner war er Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und Dekan der Theologischen Fakultät während der Hitlerzeit (1935-1943). Elerts Wohnhaus: heute Teil des Werner-Elert-Heims Werner Elert wohnte bis 1954 im Altbau des theologischen Studienheims, wo vorher Ernst Penzoldt wohnte. 1956 verkaufte die Witwe Elert das Haus an die Bayrische Landeskirche. Der Name „Werner-Elert-Heim“ tauchte erstmals 1958 wie selbstverständlich auf. Im Wintersemester 1958/59 wurde der Neubau fertig gestellt. 1959 fand die Einweihung des Heimes statt. Bedeutend ist Werner Elert in der Kirchengeschichte für die altkirchliche Christologie, im Fachgebiet Systematik arbeitete er über die „Morphologie des Luthertums“ (1931/32). Außerdem ist sein dogmengeschichtliches Werk „Der christliche Glaube“ (1942/43), das nach dem Krieg noch einmal überarbeitet wurde, von Bedeutung. Kollegen bezeichneten Elert als „menschlich schwierig“ aber auch als „akademischen Lehrer mit großer Ausstrahlung“. In Erlangen prägte er zusammen mit Paul Althaus eine ganze Theologengeneration. Die Erlanger Fakultät gehörte damals neben Berlin und Tübingen zu den Bedeutendsten. Zahlenmäßig stand Erlangen an der Spitze (1932/33: ca. 700 Studierende). Das Verhältnis der Studierenden zu Elert und Althaus kann als stärkeres Autoritäts- und Loyalitätsverhältnis bezeichnet werden.

Person und Theologie

1. Ein falsch verstandenes Luthertum

Werner Elert vertritt ein konservatives, konfessionelles Luthertum und eine antibarthianische streng lutherische Theologie. Die Gegnerschaft zu Karl Barth ist ihm wichtiger als die zu den mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitenden „Deutschen Christen“. Er plädiert für eine strikte Spaltung von Gesetz und Evangelium und für die radikale Gnadenlehre Luthers vor allen Werken. Er trennt den kirchlichen vom politischen Bereich. Für die Botschaft des Evangeliums sei allein die Kirche zuständig. Der Staat sei hingegen für Gesetz und Untertänigkeit verantwortlich. Hier habe die Kirche nichts zu suchen. Das Gesetz Gottes begegne den Menschen im Staat. Dieser Staat ist für Elert ein autoritärer Staat, demgegenüber man zu Gehorsam verpflichtet ist. (Diese Einstellung ist typisch für die Theologen der 1920er Jahre, deren fast aller Feindbild die Demokratie darstellte.) Ferner sieht Elert das Gesetz nicht biblisch bestimmt. Hier unterscheidet er sich von Martin Luther, der Gesetz als biblisches Gesetz, das Liebesgebot eingeschlossen, versteht. Hingegen Elert leitet das Gesetz aus den Schöpfungsordnungen der Welt her. Obrigkeit und Staat werden bei ihm als göttlich überlegitimiert. Die Kirche dürfe sich nur um das Evangelium kümmern.

2. Theologie der Schöpfungsordnung

Als Ordnungen gelten für Elert Familie, Staat, Volksgemeinschaft und Rasse. Für ihn gilt als „völkischer Theologe“ die Rasse als ethischer Höchstwert. Dabei hängt er der Rassenbiologie der 1920er Jahre an. Die Rassen seien von Gott gegeben, deshalb sei Rassenvermischung eine schwere Sünde. Die jüdische Rasse bliebe auch nach Bekehrung zum Christentum minderwertig. Die genannten Ordnungen haben laut Elert einen Verbindlichkeitscharakter, der nicht einmal durch das Evangelium ausgesetzt werden kann. Darüber hinaus müsse die Göttlichkeit des Volkstums gesteigert werden. Der Christ habe sich für die Wehrfähigkeit des Volkes auch gegen das Slawentum und den Bolschewismus einzusetzen.

3. Elerts positive Beziehung zum Nationalsozialismus

Elert nimmt den Nationalsozialismus bis hinzu den Nürnberger Gesetzen auf. Er verfasst zusammen mit Paul Althaus ein „Gutachten zur Einführung Arierparagraphen in der evangelischen Kirche“ (1933) im Auftrag der Erlanger Fakultät. Darin wird Christen jüdischer Herkunft zwar die vollwertige Kirchenmitgliedschaft zugebilligt. Ihre Einstellung in kirchliche Führungspositionen wird jedoch abgelehnt. Auch den „Ansbacher Ratschlag“ (1934), der gegen die Barmer Theologischer Erklärung gerichtet ist, hat Elert mitverfasst. Elerts Zustimmung zu aller Staatsgesetzgebung steigert sich im Laufe seines Lebens. Beispielhaft ist ein Vortrag mit dem Titel „Der Christ und der völkische Wehrwille“ zu nennen. Hier fordert Elert, dass man das Blut rein halten und die Nationalsozialisten unterstützen müsse mit der Begründung, dass sich der Christ dem Schöpfer verpflichtet weiß.

4. Die Aufgabe der Christen im „dritten Reich“

Werner Elert betont zwar die Selbstständigkeit der Kirchen und ist aus ekklesiologischen Gründen gegen ihre Gleichschaltung. Das Evangelium müsse unverfälscht bleiben und den Nazis gepredigt werden. Es müsse von einem Jenseits, das wertvoller als alle irdischen Reiche ist, geredet werden. Das Evangelium schenke die Freiheit sich selbstlos dem Volk aufzuopfern. Der Christ sei somit der beste Soldat, weil er die Ewigkeit vor Augen habe. Außer Acht lässt Elert bei alledem, dass die christliche Botschaft der Liebe eine universale ist. Seine Ethik ist extrem auf das eigene Volk bezogen. Egoismus wird zwar abgelehnt aber letztendlich auf das Volk transzendiert. Sein größtes ethisches Problem ist nicht die Frage, ob ich töte, sondern wie ich es schaffe mich töten zu lassen.

5. Der Nazi Werner Elert?

Zwar tritt Elert weder der NSDAP noch den Deutschen Christen bei, doch kann man m. E. nicht anders, als in seiner Theologie und auch Predigt eine Legitimation des Nazi-Regimes zu sehen. Bis in die 1940er Jahre predigt Elert den Hitlergruß als den schönsten Gruß. Das süddeutsche „Grüß Gott!“ lehnt Elert ab, weil es die kirchliche Lebenswelt mit der staatlichen, öffentlichen Welt vermische. Auch das Hören ausländischer Sender stellt für Elert einen Verrat dar. Bei diesen Aussagen handelt es sich nicht um Entgleisungen von Elerts Seite. Im Gegenteil, diese Gedanken sind in seiner Gesamtdogmatik verankert. Elert fährt auch keinen Schlingekurs wie Bischof Meiser, der die Bayrische Landeskirche so durch die Zeit des Nationalsozialismus bringen wollte. Aber er setzt sich für die Unabhängigkeit der Theologischen Fakultät ein und nimmt seine Studenten, auch wenn sie zu der Bekennenden Kirche gehören, in Schutz.

6. Elerts Haltung nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht Elert verteidigend vor. Sein positivistisches Staatsverständnis, das dem Staat alle Macht zuspricht und keine Menschenwürde beinhaltet, tritt noch drastischer in Erscheinung. Die Hitlerzeit einschließlich des Krieges sind für Elert Schicksal und Gottes Wille. Es habe sich zwar um keine gute Zeit gehandelt. Doch Elert nimmt die damalige Obrigkeit gleichgültig und schicksalhaft als richtig an. Im Aufsatz „Paulus und Nero“ schreibt Elert eine große Apologie für sein Verhalten. Er argumentiert mit Röm 13, dass Paulus auch so wie er gehandelt hätte. Damit reißt Elert den Paulusbrief aus seinem historischen Kontext und bezieht in wörtlich auf seine Zeit. Ebenso verfährt er, die historisch-kritische Exegese ablehnend, mit Martin Luther. Dass er große Zustimmung bei seinen Zeitgenossen findet, ist wenig verwunderlich. Denn viele Theologiestudenten haben im Krieg als Soldaten gedient. Sie suchen Entlastung für die Schuld der vergangenen Jahre. Wie Paul Althaus hat Elert die Menschen in ihren Problemen abgeholt und ihnen eine Möglichkeit gegeben mit der Vergangenheit klarzukommen.

Die Begründung der Landeskirche für die Namensgebung des Wohnheims

Zum einen handelt es sich um die Erinnerung, dass Werner Elert hier gewohnt hat. Zum anderen wurde die Namensgebung mit dem gesegneten Einfluss, den Elert auf die Erlanger Fakultät und die gesamte Landeskirche hatte, begründet.

Der Name „Werner-Elert-Heim“ heute

Heute kann der Name „Werner-Elert-Heim“ als „Stachel im Fleisch“ gegen das vergessen“ verstanden werden. Die Geschichte des Altbaus des Wohnheims sowie der gegenüberliegenden Theologischen Fakultät darf nicht vergessen und erst recht nicht geleugnet werden. Jeder Bewohnende des Heims sollte sich mit Werner Elert auseinander setzen. Für Theologiestudierende sei ferner die Beschäftigung mit der Geschichte der Erlanger Theologie und dem Vorgehen der Bayrischen Landeskirche in Vergangenheit und Gegenwart empfohlen.

Dieser Aufsatz entstand nach einem Vortrag von Prof. Dr. Berndt Hamm vom 11. Januar 2007 im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Anziehendes und Abstoßendes in der Kirchengeschichte“ im Wintersemester 2006/07 in der Villa des Studienheims.

Literatur